Das Denkmal ist fertig

Liebe Freunde, Unterstützer und Förderer  des Denkmals,

Liebe Vereinsmitglieder,

Ernst Röder, dessen Mutter in Auschwitz ermordet wurde, sagte bei einem Zeitzeugengespräch: „In Oberursel gibt es nichts was an meine Mutter erinnert“.

Diese Aussage machte uns betroffen und sehr nachdenklich, gleichzeitig motivierte uns dieser Satz aber immer wieder, eine Erinnerungsstätte für alle Oberurseler Opfer zu schaffen.

Das Denkmal ist seit dem 19. Mai 2018 vollständig. Ein paar Tage zuvor wurde noch fleißig am Denkmal und am Denkmalplatz gearbeitet. Der Schlosser hat Stahlpfosten zum Befestigen für vier zusätzliche Glastafeln aufgestellt, dann kam der Glaser und setzte die von uns in Auftrag gegebenen Tafeln ein. Auf den Tafeln sind alle Namen der bis dahin erforschten 70 Opfer (Stand: 12.03.2018) mit Geburtsdatum, Todesdatum und Todesort (soweit bekannt) eingraviert.  (Bild/Tafeln mit den Opfernamen und Liste) Außerdem  wurden zwei Bänke, die unser Steinmetz aus dem gleichen Stein wie das Denkmal gearbeitet hat, aufgestellt.  (Bild/Bänke) Aus dem Nachlass unserer verstorbenen Steinbildhauerin Christine Niederndorfer wurde dem Verein eine Figur mit zwei sehr nahe beieinander stehenden Kindern übergeben. (Bild /Figur). Die Figuren sind noch nicht fertig aus dem Stein herausgearbeitet. Wir finden, dass dies genau richtig ist um die Jugend, die sich noch ihre Erfahrungen und Sichtweisen aneignen wird, darzustellen.  Diese Figur steht etwas abseits bei den Zusatztafeln, mit Blick auf das Denkmal und die Tafeln mit den Opfernamen.

Das Denkmal wirkt auf den Betrachter sehr harmonisch und in sich geschlossen.  Der Platz strahlt Ruhe und Würde aus.  Angelika Rieber und Eberhard Lauen haben in jahrelanger Recherche und akribischer Forschungsarbeit den Oberurseler Opfern wieder einen Namen gegeben. Die Lebensläufe sind ein faszinierendes Thema, dem sich die beiden Autoren behutsam nähern.  Nachzulesen im Buch der beiden Autoren „Haltet mich im guten Gedenken“ ISBN 978-3-00-050714-4, 2015, Verlag Spurensuche.

Am 10. Dezember 2007 wurden die erste Figur, eine Mutter mit Kind, und der große Mittelblock mit schwerem Gerät am heutigen Standort hinter der Hospitalkirche aufgestellt. Eine schrittweise Vorgehensweise war notwendig, nachdem klar war, dass wir keine öffentlichen Gelder für dieses Denkmal erhalten würden.  Wir waren zuerst enttäuscht, aber genau das spornte uns an, dieses Projekt in Angriff zu nehmen und umzusetzen.  Durch das jahrelange Einwerben von Geldern, durch unendlich viele Gespräche und Infoveranstaltungen, durch szenische Lesungen zum Thema und noch vieles mehr, erlangte unser Vorhaben und unser Denkmal Bekanntheit und vor allem Akzeptanz. Jedes Aufstellen einer neuen Figur wurde zu einem öffentlichen Ereignis, zu dem die Politik und alle Oberurseler Bürger eingeladen waren. Immer mehr Menschen nahmen daran teil und bekundeten so ihre Zustimmung. Auf diese Weise wurde das Denkmal mit der Zeit ein Denkmal für Oberurseler von Oberurseler.

Fast 10 Jahre haben wir am Denkmal gebaut und am 3. September 2016 konnten wir es in einer feierlichen Zeremonie an die Stadt Oberursel übergeben. 2018 haben wir noch die versprochenen Infotafeln hinzugefügt und somit das Gesamtwerk fertiggestellt.

Diese große Kraftanstrengung war nur möglich durch einige sehr großzügige Spenden und viele, viele kleine Spenden, die spontan den Weg in unsere Spendenbox fanden, die immer an unseren Info- oder Verkaufsständen aufgestellt war.

Eine nicht unerhebliche Summe hat der Verein selbst erwirtschaftet, bei Weihnachtsmärkten, dem hiesigen Brunnenfest oder sonstigen Veranstaltungen.

Anlässlich der Fertigstellung des Denkmals möchte ich noch einmal im Namen aller Vereinsmitglieder allen Spendern und Unterstützern herzlich danken, die es uns so ermöglicht haben, ein Denkmal für die Oberurseler Opfer des Nationalsozialismus zu errichten.

 

Annette Andernacht, Vorsitzende des Vereins „Initiative Opferdenkmal“

Fotos

comming soon

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