Internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – 27.01.2026

Kranzniederlegung und zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus 2023. Foto Berthold Schinke

Rede zur Gedenkfeier zum 27. Januar 2027 (Annette Andernacht)

Jedes Jahr, stehen wir hier, um zu gedenken. Gedenken und nicht vergessen, was am 27. Januar 1945 für alle sichtbar wurde. Da hilft kein Leugnen und auch kein Abschwächen, es waren ja nur …! Es waren Menschen die auf brutalste verachtet, gequält, ausgebeutet und gnadenlos ermordet wurden.

Darum ist schön, dass wieder so viele Menschen hier versammelt sind, um die unfassbaren Gräueltaten des Hitlerregimes nicht zu vergessen.

Wir leben in einer Zeit großer Unordnung und damit einhergehender großer Verunsicherung. Völkerrecht wird gebrochen, Polizeistaatsmethoden breiten sich aus, Minderheiten werden diskriminiert und verfolgt. Um die Dramatik der Situation zu unterstreichen, wird immer häufiger Bezug genommen auf die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Der jeweilige politische Gegner wird dann wahlweise als Wiedergänger Hitlers oder als Wegbereiter des Faschismus bezeichnet, jedes Kriegsverbrechen, ob in der Ukraine oder in Gaza, wird als eine Wiederholung geschichtlicher Ereignisse dargestellt. Eine Auswirkung der inflationären Verwendung dieses Bezugs besteht aber auch in einer Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus, an die wir heute hier erinnern möchten. Die Symbole des Naziterrors werden so zu banalen, provokativen Zeichen, losgelöst von der Ideologie und Praxis der Menschenverachtung und Menschenvernichtung.

Letzte Woche stand in der Zeitung: Ich zitiere „Thüringen will strenger gegen verfassungsfeindliche Symbole wie Hakenkreuze oder andere extremistische Zeichen in Schulen vorgehen“. Unter anderem war da zu lesen, das wusste ich bislang auch nicht, dass Schule kein öffentlicher Raum ist, und daher das Zeigen von Nazisymbolen in der Schule auch keine Straftat. Die Staatsanwaltschaft hat daher entsprechende Verfahren bisher häufig einstellt. Klar, Schulen sind keine Marktplätze, aber wenn täglich Kinder und junge Heranwachsende diese Orte besuchen plus Lehrer und Eltern, dann ist es mit Sicherheit nicht das heimische Wohnzimmer.

Da Schule also kein öffentlicher Raum ist, wird nicht gehandelt. Wie sollen die Schüler lernen, was Recht ist und was nicht, wenn sie nicht aufgezeigt bekommen, dass es Konsequenzen mit sich bringt, Nazisymbole in der Öffentlichkeit zu zeigen oder irgendwo auf eine Wand zu schreiben. Das ist strafbar, und das ist richtig so.

Wir wollen uns nicht daran gewöhnen, dass der Naziterrorimus in Wort und Schrift immer mehr Raum gewinnt. Wir setzen dem entgegen die konkrete Erinnerungsarbeit an die Verbrechen einerseits und andererseits die Sensibilisierung gegen alle Tendenzen, andere Menschen zu diskriminieren, auszugrenzen und zu verfolgen.

Man wünscht sich, dass Antisemitismus, Ausgrenzung, Diffamierung aufhören und wir nach dem Grundgesetz leben und handeln. Im § 3 des Grundgesetzes heißt es: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Bleiben wir also wachsam, nie wieder 1933.

Pressespiegel

Erinnern als Grundlage einer besseren Welt. Taunus Zeitung, 29.01.2026

Einladung

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Ausschwitz, von der Roten Armee befreit.

Der Magistrat der Stadt Oberursel, der Verein Initiative Opferdenkmal und die Gemeinschaft für Christlich Jüdischen Zusammenarbeit (GCJZ) laden zur Gedenkveranstaltung am „Tag des Gedenkens“ ein.

Am 27. Januar Gedenkveranstaltung, direkt am Denkmal, Hospitalstraße

ZeitProgrammpunkt
18:15 Uhr – 18:20 UhrBeginn der Veranstaltung. Begrüßung und Rede – Erster Stadtrat Jens Uhlig in Vertretung von Bürgermeisterin Antje Runge
18:20 Uhr – 18:25 UhrRede Gesellschaft Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus e.V. – Tibi Aldema
18:25 Uhr – 18:30 UhrRede Initiative Opferdenkmal e.V. – Vorsitzende Annette Andernacht
18:30 Uhr – 18:35 UhrKurzes Gebet. Gesellschaft Christlich-Jüdischer Zusammenarbeit Hochtaunus – Tibi Aldema
18:35 Uhr – 18:40 UhrKranzniederlegung
18:45 UhrEnde der Veranstaltung
 19:00 Uhr„Interreligiöses Friedensgebet“ in der Hospitalkirche

Ihr könnt gerne eine Kerze mitbringen, um am Denkmal abzustellen. Zeigen wir doch so über mehrere Stunden ein leuchtendes Zeichen gegen das Vergessen.

Liebe Grüße
Annette Andernacht
Initiative Opferdenkmal e. V.

Einladung durch Bürgermeisterin Antje Runge

Einladung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, 27. Januar 2026
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