Familien Feinberg und Heilbronn

von Angelika Rieber

Viele Oberurseler kannten und schätzten die Familien Feinberg und Heilbronn, die am Marktplatz wohnten.

Nach dem Tod von Abraham Feinberg im Juli 1942 waren seine Ehefrau Rosa und ihre Schwester Therese Heilbronn „untröstlich“, berichtet Frau H. Die beiden Frauen hatten offensichtlich zunehmend Angst vor der „Abschiebung“. Den Menschen damals war sehr wohl bewusst, dass die als „Evakuierung“ gekennzeichneten Deportationen sie nicht nur aus ihrer gewohnten Umgebung herausrissen, sondern in ein ungewisses Schicksal führten. Die Tatsache, dass sie von Angehörigen nichts mehr hörten, versetzte sie in Unruhe, ohne dass sie wirklich wussten, was ihnen bevorstand.

Am 28. August 1942 wurden die beiden Frauen deportiert. Viele Oberurseler können sich an die Deportation und die Tage davor lebhaft erinnern. Frau H. weiß noch, dass die beiden Schwestern einen Tag vor dem Abtransport fragten, ob sie sich den Handwagen leihen könnten, um ihr Gepäck zum Bahnhof zu bringen. Das einzige, was die beiden Frauen noch aufrechterhielt, war die Hoffnung, die bereits im Juni 1942 deportierte Tochter bzw. Nichte Sophie wieder zu sehen.

Therese Heilbronn und Rosa Feinberg verließen Oberursel nicht unbemerkt. Die beiden verabschiedeten sich vorher von zahlreichen Nachbarn und Freunden. Ob sie einfach Abschied von den ihnen vertrauten Menschen nehmen wollten, ob sie auf das Unrecht, das ihnen angetan wurde, aufmerksam machen wollten, ob sie die Hoffnung hatten, den drohenden Abtransport damit noch verhindern zu können, wissen wir nicht. Die Schilderungen der Zeitzeugen vermitteln aber den Eindruck, dass sich dieser Abschied tief im Gedächtnis vieler Oberurseler eingegraben hat.

Am 28. August gegen Mittag wurden Therese Heilbronn und Rosa Feinberg abgeholt. Viele Oberurseler haben noch vor Augen, wie die beiden Frauen, begleitet von „einem Mann in Uniform“, über den Marktplatz, die Weidengasse und durch die ganze Stadt, einen Leiterwagen hinter sich herziehend, zum Bahnhof gebracht wurden. Anneliese Peischl berichtet, die beiden Frauen hätten wieder und wieder ungläubig den Kopf geschüttelt und sich umgeschaut, als sie zum letzten Mal aus ihrem Haus und über den Marktplatz gingen.
„Es war traurig. Die ganze Nachbarschaft hat zugeschaut“:

Quelle: Angelika Rieber: „Wir bleiben hier! Lebenswege Oberurseler Familien jüdischer Herkunft“, Frankfurt 2004, ISBN 3-7829-0549-0

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